Kunst? Für Beifahrer.

Was haben gigantische Kiwis, schwebende Wasserhähne und leuchtende Papierrollen gemeinsam? Sie sind Kunst in der Mitte von Kreisverkehren mit „Besucherzahlen“, bei denen Museen vor Neid erblassen. KUNST. FÜR BEIFAHRER bremst für ein bisher unentdecktes „Kunstuniversum“ und wagt eine Erforschung der verrückten, rätselhaften, aber auch subtilen und raffinierten Werke im Kreisel.

Die erste Begegnung verläuft immer flüchtig: Es muss schnell gehen, bremsen, runterschalten und eine Entscheidung treffen. Erste rechts? Oder zweite? Moment mal, was ist das denn? Eine monströse Büroklammer? Und schon ist das rätselhafte Objekt wieder im Rückspiegel verschwunden. Die Rede ist vom Kreisverkehr und seiner Kunst in Form von riesigen Wasserhähnen, leuchtenden Kühen und sich spiegelnden Schnecken.

Kreisverkehre erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, sind sie doch sicherer, günstiger und wartungsärmer als Ampelkreuzungen. Frankreich ist Europas Spitzenreiter mit etwa 60.000 Kreisverkehren, Tendenz steigend. In all diesen Kreiseln entsteht ein neuer, ungenutzter Raum, ein öffentlicher Raum, der danach verlangt, gestaltet zu werden.

Der Film begibt sich kreiselnd durch Europa und entdeckt Kreisverkehre in Frankreich, der Schweiz, auf Lanzarote und in Griechenland, wo wir den documenta-Künstler Costas Varotsos mit seinen gläsernen Giganten treffen. Der französische Meister der Kreiselkunst, Jean Luc Plé, stellt uns eine volkstümlichen Kunstwerke in Form von Segelbooten, riesigen Früchten oder gigantischen Insekten vor. Im Schweitzer Kanton Aargau treffen wir die Kunst-Kuratorin Friederike Schmid. Sie hat eine Verkehrskreisel-Typologie entworfen. Auf Lanzarote wird es anmutiger: Wir stehen vor tonnenschweren Windspielen des Malers, Bildhauers und Architekten Cesar Manrique.

Kurzweilig und humorvoll führt KUNST. FÜR BEIFAHRER die Zuschauer in eine Welt, die täglich vor ihnen liegt, die sie aber bislang kaum kennen.

ARTE
Dokumentar
52 Minuten
Regie/Buch
Udo Vieth
Produktion
Gerd Haag
Kerstin Krieg
Kamera
Christophe Poulles
Schnitt
Volker Gehrke
Ton
Armin Badde
Produktionsleitung
Cornelia Kellers
Redaktion
Kathrin Brinkmann