Das geheime Leben der 7 - Beckhams Zahl

Ein Film von Udo Vieth

David Beckhams Zahl ist die 7, die Rückennummer mit der er in der englischen Nationalelf zu Erfolg, Wohlstand und Ruhm kam. Als Zeichen seiner Verehrung hat er sie sich als römische Ziffer auf den linken Unterarm tätowieren lassen ”“ eine magische Beschwörung.
Um das Glück zu zwingen ”“ setzen auch der vielmalige „Retter der Welt“, Mr. 007 James Bond und die Firma Boeing ganz auf diese Zahl. Aber auch in der 7-stufigen Tonleiter oder in den 7 Farben des Regenbogens wie in zahlreichen Märchen und Legenden begegnet uns die Zahl.

Die 7 ist bis heute in nahezu allen Kulturen eine Zahl mit herausragender Bedeutung, eine Glückszahl, die über Jahrtausende hinweg verehrt wurde. Allerdings ist weitgehend in Vergessenheit geraten, warum dies so ist.
Die Wurzeln der "Verehrung" der 7 liegen weit zurück, in den Ursprüngen unserer Zivilisation. Bereits im alten Ägypten, mit dem ersten „Auftauchen“ der Zahlen, können wir eine Art Doppelnatur der Zahlen beobachten. Es wird nicht nur mit ihnen gerechnet, bestimmten Zahlen werden auch mächtige Eigenschaften zugesprochen. So gilt die Zahl 7 in der Antike als Zahl der Fülle und Vollendung, als Zahl des Übergangs vom Irdischen ins Paradies, vom Realen ins Irrationale, ins nicht mehr Nachvollziehbare.

Die Basis dieser Verehrung der 7 und der ihr zugeschriebenen Eigenschaften liegen „im Himmel“ - in der Naturbeobachtung des Siebengestirns und im Mondumlauf mit den ca. 28 Tagen = 4 x 7 Rhythmus. Für die Völker der Antike war die 7 eine offensichtlich von den Göttern bevorzugte Zahl. Auf ihrer Basis entstanden Mondkalender, die es ermöglichten Naturabläufe wie Jahreszeiten vorauszusagen, Ernte- und Saatdaten festzulegen. Die 7 war das stärkste und mächtigste, das möglicherweise auch älteste Symbol der Antike, das es auch für das persönliche Wohlergehen zu nutzen galt. Der irrationale, krumme, nicht faßbare, auf das Jenseitige verweisende Moment der 7 fand sich auch in der Musik und in der Mathematik. Der 7ner Rhythmus gilt als einer der schwierigsten zu spielenden und eine Siebtelung ergibt die erste irrationale Zahl: 1:7 = 0,1428571.

In der Bibel wird die 7 dann als die bestimmende, bis heute wirkende Zeitzahl etabliert, die den Wochenablauf strukturiert. Darüber hinaus zeugt sie ein weiteres, bis heute mächtiges Symbol -  den 7armigen Leuchter, die Menora. Die christliche Kirche hat die alttestamentliche Sieben im Mittelalter zu einer wahren Flut weiter ausgebaut. Nach damaliger Überzeugung symbolisierte sie das Ziel jedes Christen: die Vereinigung des Geistigen/Göttlichen (repräsentiert durch die Drei/Dreifaltigkeit) mit dem Irdischen (repräsentiert in der 4 z.B. durch die vier Himmelsrichtungen). Die Vereinigung in der 7 führte zur Erkenntnis, zum Himmel, zum Paradies, - zu Gott. So bildete die 7 die Grundstruktur zahlreicher Märchen und Legenden. 7 Abenteuer, Schritte oder Prüfungen sind zu bestehen, 7 Rätsel zu lösen, um zum Ziel zu gelangen. Die Zahl 7 wurde auch zu Stein. Unter besonderer Berücksichtigung der 7, der 3 und der 4 konstruierten die mittelalterlichen Baumeister wie beim Freiburger Münster ihre himmelstürmenden, gotischen Kathedralen.

Obwohl Zahlen wie die 7 heute ihre mächtige Symbolkraft nahezu eingebüßt haben, ist ihre Macht doch weiter gewachsen. Es hat noch nie eine Zivilisation gegeben, die bis in den Alltag hinein derart von mathematischen Methoden durchdrungen und derart von ihnen abhängig war wie die unsrige.

Neue, mächtige Zahlen sind aufgetaucht. Die großen Primzahlen, an denen die Kryptologie und damit der Weltfrieden hängt. Oder die Feigenbaumzahl Delta, die immer wieder in Experimenten mit Wasser, elektrischen Schaltkreisen, Pendeln oder Magneten auftaucht.
Obwohl wir die Natur der Zahlen nicht erklären können, wir also nicht wissen, ob sie von uns ge- oder erfunden wurden, haben wir mit ihrer Hilfe Macht über die Natur gewonnen. Sie sind der uns verfügbare Schlüssel zur Welt. Die Zahlen haben aber auch Macht über uns gewonnen.

Und auch heute noch werden unzählige magische Zahlen-Rituale im Alltag vollzogen, wo wir mit Hilfe der 7 und anderen einfachen Zahlen danach trachten das Glück zu zwingen und die Zukunft zu beherrschen. Diese rituelle Zahlenmagie findet mit jedem Ausfüllen des Lottoscheines und jeden Mittwoch- und Samstagabend bei der Ziehung der Lottozahlen statt.

Warum ist die 7 unsere Glückszahl, was hat sie für alle Kulturkreise so interessant gemacht, daß sie daraus eine mächtige, magische Zahl gemacht haben. Spielen Zahlen wie die 7 im Unterbewußtsein und Körperlichen des Menschen eine Rolle? Diesen Fragen geht die Dokumentation nach und begibt sich dafür auf eine Entdeckungsreise in die Geschichte der Menschheit, in die Anfänge der Wissenschaften, der Religionen, der Philosophie und der Musik.

Dokumentar
59 Minuten
Regie/Buch
Udo Vieth
Produktion
Gerd Haag
Kamera
Klaus Sturm
Philippe Bellaiche
Schnitt
Volker Gehrke
Ton
Michael Haas
Redaktion
Susanne Mertens, ZDF/ARTE