Hans Blumenberg - der unsichbare Philosoph

Ein Kino-Dokumentarfilm über Hans Blumenberg.

Hans Blumenbergs (1920 bis 1996) ist der vielleicht bedeutendste Philosoph deutscher Sprache nach dem 2. Weltkrieg. Sein Werk verbreitet sich nicht erst seit seinem Tod mit großer Beharrlichkeit; kein Wunder, hat er seine Ideen doch auf zwei Weisen in die Welt gesandt: als akademische Problemkrimis und als gedankenvolle, anspielungsreiche literarische Texte von hohem Rang. Fachphilosophen, Intellektuelle, Feuilletonleser, Wissensdurstige, Nachdenkliche, Aphorismenliebhaber, Literarturbegeisterte für sie alle hält Blumenberg die gewünschte Dosierung bereit. 2011 veröffentlicht Sibylle Lewitscharoff ihren Roman Blumenberg, erfolgreich und hochdekoriert mit zahlreichen Literaturpreisen. Der Held des Romans ist jener Münsteraner Philosophieprofessor, der als Mann des Wortes und der Gedanken niemanden losläßt, der ihn einmal gehört oder gelesen hat.

Der Film Blumenbergs Höhlen vermittelt Leben und Werk Hans Blumenbergs, indem er zeigt, wie beide auf demselben Holz wachsen: das Leben stellt Themen, die das Werk reflektiert. Oder anders: das Leben konfrontiert mit bisweilen lebensgefährlichen Herausforderungen, die Autor und Werk ein Leben lang beschäftigen. Dabei will der Film nicht sagen, Blumenberg sei ohne Kenntnis seines Lebens unverständlich. Wohl aber, dass Präsenz und Konstanz wesentlicher Themen ohne seine frühen Erfahrungen in der Heimatstadt Lübeck und die späteren Erfolge im westfälischen Münster nicht denkbar wären.

Und wie hat sich sein Leben im Werk niedergeschlagen? Blumenberg ist der hochbegabte Schüler, der 1939 beste Abiturient seiner Schule, ja ganz Schleswig-Holsteins. Aber auch Jude, der Anfeindung, Verfolgung, Lebensgefahr und Versteck in letzter Minute erlebt, der noch sein Versteck als Höhle des Löwen empfindet. 

Der Film wird ausschließlich in Blumenbergs Hörsaal des Münsteraner Schlosses spielen, wobei dieser Ort sein Erscheinen freilich dauernd verändert: mal wirkt er wie eine Höhle, mal paraphrasiert er Platos Höhlengleichnis; mal ist er wie ein Kino, in dem Projektionen mit ausgewählten Interviewpartnern erscheinen, die ihr Bild von Hans Blumenberg entwerfen. Der Film ist unterlegt mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Ausschnitten aus Blumenbergs Vorlesungen. Der Denker und sein Werk erfüllen den Raum und erwachen zu filmischem Leben. Die legendären Freitagsvorlesungen aus Münster werden auf fesselnde Weise neu entdeckt und für die Nachwelt konserviert.

Nordische Filmtage Lübeck 2018
Dokumentar
90 Minuten
Regie/Buch
Christoph Rüter
Produktion
Gerd Haag
Co-Produktion
Christoph Rüter
Kamera
Patrick Popow
Schnitt
Jan Gerold
Ton
Kai Ziarkowski
Musik
Oliver Heuss
Herstellungsleitung
Cornelia Kellers
Förderung
BKM
Film- und Medienstiftung NRW